Um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben, im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen, gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen.

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Ehrengäste und Gäste aus Politik, Wirtschaft und Armee,
liebe Schützinnen und Schützen aus nah und fern,
meine Damen und Herren

Monsieur le Président,
Chers invités d’honneur, chers invités du monde de la politique, de l’économie et de l’armée,
Chères tireuses, chers tireurs d’ici et d’ailleurs,
Mesdames, Messieurs,

Egregio signor presidente,
egregi ospiti d’onore e ospiti della politica, dell’economia e dell’esercito,
care tiratrici e cari tiratori venuti da vicino e lontano,
gentili signore e signori,

Stimà signur president,
preziads giasts d’onur e giasts da la politica, l’economia e l’armada,
charas tiraduras e chars tiradurs dalunsch e damanaivel,
mias damas e mes signurs

Ich begrüsse sie ganz herzlich, hier, auf historischem Boden in der Morgartenhütte und bedanke mich dafür, dass ihr heute einem Vertreter der Historischen Schützen Schweiz zuhört.

Mit Rücksicht auf unsere französisch- und italienischsprechenden Gäste werde ich Hochdeutsch sprechen.

Frei ist nur, wer seine Freiheit gebraucht!

Die Worte, die sie eingangs gehört haben, stammen nicht aus einem Parteiprogramm, sie sind nicht altbacken und überholt, sondern stehen so in der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, genauer gesagt in der Präambel.

Die Präambel, die in feierlicher, gehobener Sprache, abgefasste Einleitung der Bundesverfassung, dient den Verfassern zur Darstellung der Motive, Absichten und dem Zweck. Sie gibt den «Basiskonsens», die Grundlage, die Zustimmung, aller Beteiligten wieder.

Grundlage für die heutige Bundesverfassung ist die Verfassung vom 12. Herbstmonat 1848 (dem 12. September 1848), als die Schweiz vom Staatenbund zum Bundesstaat geeint wurde.

1866 erfolgte eine Teilrevision. 1874 die erste und 1999 die zweite Totalrevision. Seit dem 1. Januar Zweitausend, also seit 19 Jahren, ist die neuste Version der Bundesverfassung in Kraft.

Sind wir uns bewusst: Die Grundsätze der Bundesverfassung sind seit 1848 als zentrales Anliegen für Staat und Bevölkerung beibehalten worden, alle Revisionen sind Ergänzungen, Anpassungen und Erweiterungen.

Was für einen Zweck hat denn eigentlich die Bundesverfassung

In Artikel 2, unter Punkt 1 wird der Zweck wie folgt definiert:
Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes.

Was haben wir bisher gehört:

  • Freiheit
  • Demokratie
  • Unabhängigkeit
  • Frieden
  • Solidarität
  • Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen
  • Wahrung der Unabhängigkeit und der Sicherheit

Dies alles sind Motive, Absichten und Zweck unserer Bundeverfassung, sie sind der «Basiskonsens», die vom Volk genehmigte übereinstimmende Meinung der Verfasser.

So gesehen sind sie unwiderrufliche Aufträge an die Politik, die Bürgerinnen und Bürger.

Heute spreche ich als Vertreter der Historischen Schützen Schweiz zu Ihnen. Meine «Schützenheimat» ist eine Gesellschaft, welche vor über 500 Jahren in Genf gegründet wurde. Eine Gesellschaft, welche also noch 350 Jahre älter ist als die Bundesverfassung.

Vor über 500 Jahren wurde sie als Teil der Verteidigungstruppen der Republik Genf von der damaligen Regierung ins Leben gerufen. Unsere Vorfahren haben mehrmals gegen Angreifer von aussen gekämpft und sich die Unabhängigkeit bewahrt.

Werte und Taten dieser Gesellschaft stehen stellvertretend für das, was die Historischen Schützen Schweiz verbindet. Die Geschichte jeder der 23 – vor 1848 gegründeten – historischen Gesellschaften erzählt, dass immer für Freiheit und Unabhängigkeit eingetreten worden ist, wenn nötig wurde auch gekämpft. Die gemeinsame Geschichte, das gemeinsame Eintreten für Freiheit und Unabhängigkeit, der Kampf für souveräne Bürgerrechte verbindet uns, spornt uns an, der Schützengemeinschaft eine Stimme zu geben.

Wir sind keine politische Partei. Wir sind aus dem Volk entstanden, um dem Volk zu dienen. «Aus dem Volk für das Volk» ist unser Selbstverständnis. Vor Jahrhunderten dienten wir und unsere Mitglieder vorweg der Sicherheit, später ging es auch um die Erlangung der Bürgerrechte. Wir waren bereit, im Ernstfall Leib und Leben zu opfern, gleichzeitig forderten wir demokratisches Mitspracherecht ein, weil letztendlich das gemeine Volk die Konsequenzen der Entscheidungen der Herrschenden tragen muss. Wir sind auch heute noch bereit, notfalls den Kopf hinzuhalten, wehren uns aber gegen die Beschneidung der politischen Mitsprache.

In den letzten Jahrhunderten haben wir massgeblich dazu beigetragen, dass wir ein freundeidgenössisches Miteinander leben können. In der Schaffung dieser Tradition liegt der staatspolitische Wert der Schützengemeinschaft. Unser Zeithorizont ist nicht die Legislatur. Wir Historischen Schützen denken in Generationen für Generationen.

Wir sehen uns als Hüter der bewaffneten Neutralität, einer Neutralität, welche nun gefährdet ist. Unser Auftrag ist in bereits erwähntem Artikel 2 der Bundeverfassung von unseren Vorfahren fest verankert worden:
Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des
Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes.

  • Freiheit
  • Rechte des Volkes
  • Unabhängigkeit
  • Direkte Demokratie

Sind heute von aussen und von innen gefährdet, wie noch nie!

Blosses Nicken reicht nicht mehr, wir – verantwortungsbewusste Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ganze Schützengemeinschaft – sind gefordert, mit allen uns zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln zu handeln.

Wir müssen unsere Wohlfühloase verlassen und wieder kämpfen, so wie dies unsere politischen Gegner tun. Wir müssen in die Fusstapfen unserer Vorfahren treten und uns als freiheitliebende, besorgte Bürgerinnen und Bürger kundtun. An der Urne aber auch in unserem privaten und beruflichen Umfeld sowie im Schiesstand und am Stammtisch.

Und – wir müssen wieder mehr Verantwortung übernehmen. Auch in der Politik, in politischen Ämtern, auch wenn das mehr Aufwand bedeutet!

Denn, wir dürfen unsere Souveränität nicht preisgeben, auch wenn wir grossem Druck ausgeliefert sind. Grossem Druck von Behörden, Medien und sogenannten Wirtschaftsanalysten.

Sonst gehen für uns, und vor allem für unsere Nachkommen, Werte und Rechte verloren, für welche unsere Vorfahren vehement gekämpft haben – sogar auf dem Schlachtfeld.

Werte und Rechte, welche das Schweizer Volk nie mehr erlangen wird, wenn sie dann einmal verloren sind!

Ja, gegen was müssen WIR dann kämpfen?
Uns geht es ja gut:

  • Kürzlich konnten wir den Medien entnehmen, dass die Schweizer die reichsten Menschen der Welt sind.
  • Die Umsetzung der EU-Waffenrichtlinie im Schweizer Waffenrecht wurden vom Souverän deutlich angenommen. Man hat uns Angst gemacht, aber es ist ja nichts passiert. Wir können ja heute, so wie letztes und vorletztes und wie die Jahre zuvor, Schiessen.
  • Die Schweizer Börse wird von der EU nicht mehr als gleichwertig anerkannt. Die spärlichen Berichte, welche unsere Medien veröffentlichten, sagen sogar, dass es «UNS», will heissen unserer Börse, sogar besser gehe als zuvor.

Und nun komme ich und sage: Es ist fünf vor zwölf. Wir sind dabei UNSERE, FÖDERLISTISCHE UND DIREKTE DEMOKRATIE preiszugeben!

JA, meine Damen und Herren, ich wiederhole noch einmal: Es ist fünf vor zwölf, wir müssen reagieren!
Wir alle hier müssen reagieren, wenn wir wollen, dass wir – und vor allem unsere Nachkommen – auch in den nächsten Jahren hier zusammenkommen können
und dürfen!

Warum geht es uns in der Schweiz denn eigentlich so gut?
Unsere föderalistisch organisierte DIREKTE DEMOKRATIE fördert nicht nur das Gemeinwohl, sondern überlässt dem Volk auch ein hohes Mass an Mitgestaltung und Verantwortung.
UNSERE Demokratie, mit direkter Mitwirkung, ist gegenüber rein repräsentativen Demokratien wirtschaftlich im Vorteil. Staatsquote und Bürokratie sind in unserem Milizsystem niedriger als bei repräsentativen Demokratien.
Dank dieser, unserer Demokratie sind wir zufriedener – und auch finanziell besser ausgestattet – als Bürgerinnen und Bürger jener Länder, welche nur alle vier oder fünf Jahre ein neues Parlament wählen und danach politisch nichts mehr zu sagen haben.
Nach Abstimmungen haben wir, im Gegensatz zu Bürgerinnen und Bürger anderer Demokratien, die Möglichkeit, politische Entscheide zu kontrollieren und zu korrigieren.

Uns geht es also gut!
Heute – Ja. – Und morgen?
Glauben Sie mir: Wenn wir nicht aufpassen, kann das Schweizer Volk Freiheit, Rechte, Unabhängigkeit und Sicherheit verlieren. Wir sind gefordert, unsere föderalistische direkte Demokratie zu leben, unsere Rechte einzufordern: Wir müssen uns einmischen, denn wir werden angegriffen!

Betrachten wir die aktuelle Lage:

  • Mit der Unterstützung aus Wirtschaft und auch Exponenten aus bürgerlichen Parteien wurde die Umsetzung der EU-Waffenrichtlinie im Schweizer Waffenrecht vom Souverän angenommen. Die Schweiz hat – da müssen wir uns nichts vormachen – damit eine dynamische Übernahme von EU-Recht vollzogen. Sind wir uns den Auswirkungen wirklich bewusst, passiert nichts? Niemand kann das mit Sicherheit sagen, schon gar nicht diejenigen, welche uns Schützinnen und Schützen versprochen haben, «es ändere sich ja nichts.» Denn Entscheide welche das Schweizer Waffenrecht betreffen, werden nun in Brüssel getroffen.
  • Auch die Signale, welche von den Verhandlungen über die bilateralen Verträge, sprich Rahmenvertrag, zwischen der Schweiz und der Europäischen Union zu hören sind, lassen nichts Gutes erahnen. Es könnten auch hier wieder wertvolle Elemente unserer Rechte und Werte auf dem Verhandlungstisch geopfert werden. Jeder Rechtstaat braucht ein eigenes souveränes Rechtssystem und keine fremden Richter.

Und wer passt eigentlich auf? Wer verfolgt das Ganze? Wer zieht die richtigen Schlüsse? Wer hält den Finger hoch, wenn urschweizerische Werte angegriffen werden? Wer steht für unsere föderalistische direkte Demokratie ein?

Politikerinnen und Politiker? Medien? Wirtschaftsverbände? Parteien?

Nein, werte Damen und Herren,

Politik, Medien, Wirtschaftsverbände und Parteien werden uns Schützinnen und Schützen im Stich lassen. …. es wäre ja nicht das erste Mal.

Darum melden wir uns zu Wort.

Wir, die Historischen Schützen Schweiz, werden allen vaterlandsliebenden Bürgerinnen und Bürgern eine Stimme geben. Wir werden aufpassen, wir werden die richtigen Fragen stellen und wir werden den Finger immer wieder in offene Wunden legen.

Wie unsere Vorfahren kämpfen wir für Freiheit, direkte Demokratie und Unabhängigkeit der Schweizer Bürgerinnen und Bürger, so wie dies unsere Pflicht ist und so wie es unsere Bundesverfassung von uns fordert.

Wir übernehmen Verantwortung gegenüber zukünftigen Generation und sorgen dafür, dass auch sie sich in einer freien, unabhängigen, souveränen Schweiz verwirklichen können.

Und wir rufen SIE, die Schützengemeinde sowie alle freiheitsliebenden Schweizerinnen und Schweizer auf, uns in diesem Kampf zu unterstützen!

Nutzen wir unsere demokratischen Möglichkeiten, nutzen wir unsere Freiheit, solange wir noch können!
Freiheit nutzen heisst:

  • nicht nur Nicken, sondern Handeln,
  • Teilnehmen am politischen Geschehen, seiner Meinung Ausdruck geben, Ämter übernehmen und wirken,
  • sich nicht beirren lassen, sondern das Ziel verfolgen, und zwar das Einstehen für eine freie, unabhängige Eidgenossenschaft, in welcher das Volk seine Rechte wahren kann.

Verlassen wir also unsere Komfortzone, nehmen wir die Haltung ein, die wir uns beim Schiessen gewohnt sind: überzeugt, dass wir unser Ziel treffen, wissend, dass jeder Erfolg erarbeitet werden muss!

Wir Historische Schützen Schweiz unterstützen Sie dabei! Nicht als politische Partei, sondern als ideeller Partner. «Aus dem Volk für das Volk» ist unser Selbstverständnis. Zusammen mit Ihnen fordern wir demokratisches Mitspracherecht ein, weil letztendlich wir, das gemeine Volk, die Konsequenzen der Entscheidungen der Herrschenden tragen müssen.

«Aus dem Volk für das Volk». Die Historischen Schützen Schweiz bestehen aus Gesellschaften, welche vor 1848 gegründet worden sind, beziehungsweise aus deren Mitglieder.

Jede interessierte Schweizer Bürgerin und jeder interessierte Schweizer Bürger, die die Ideale der Historischen Schützen Schweiz unterstützen und deren Werte leben, haben die Möglichkeit, als Passivmitglied beizutreten. Die Bewerbungsunterlagen können der Website, www.hischuetzen.ch, entnommen werden.

Mischen Sie sich ein, nehmen Sie am politischen Leben teil, setzten Sie ihre Fähigkeiten und Ihren Willen – wie beim Schiessen – zielgerichtet ein, denn

Frei ist nur, wer seine Freiheit gebraucht.

Kämpfen wir, wie dies unsere Vorfahren getan haben. Sie wussten was zu tun ist. So wie damals, als ein Pfeil mit der Botschaft «Hütet euch am Morgarten am Tage vor St. Othmar» über die Befestigung von Arth zu den Schwyzern geschossen wurde.

Wenn wir vaterlandsliebende Schützinnen und Schützen nicht bereit sind, mit allen erdenklichen demokratischen Mitteln für die Werte zu kämpfen für die wir einstehen, dann haben wir nie an sie geglaubt!

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Andreas Stricker
Vizepräsident Historische Schützen Schweiz