HIER WIRD TRADITION GELEBT

Mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1420 sind die Stadtschützen Wil eine der ältesten Schützengesellschaften der Schweiz. Sie feiern ihr 600-jähriges Bestehen mit verschiedenen Anlässen. (Hinweis Coronavirus: Aufgrund der aktuellen Lage und des Bundesratsbeschlusses werden sämtliche Anlässe auf das Jahr 2021 verschoben.)

Text: Andreas Tschopp Bilder: zVg, Friedrich Kugler

Im Jahre 1420 bestand die alte Eidgenossenschaft aus acht Orten in der Innerschweiz. In der Ostschweiz jedoch lag die Herrschaft bei der Fürstabtei St. Gallen, zu der seit 1226 auch das Städtchen Wil gehörte. Während den Appenzellerkriegen (1400–1429), die für das Kloster und das Bistum in einem Desaster endeten, fanden sich dort «Schiessgesellen» ein, um ihre Übungen abzuhalten. Die urkundliche Erwähnung von 1420 ist historischer Ursprung der Stadtschützen Wil, die nun ihr 600-jähriges Bestehen feiern können.

Seit 1621 ein Verein
Weiter wird 1520 in einer Urkunde erwähnt, dass am Stadtweiher das erste «Schiesshaus» stand. 1621 vereinten sich die Armbrust- und Büchsenschützen zu den Musketenschützen. Das gilt als Geburtsstunde des Vereins, der 1838 das erste Kantonalschützenfest organisiert und 1921 mit einem Freundschaftsschiessen offiziell sein 300-Jahr-Jubiläum gefeiert hat. Ein Jahr darauf erschien die Schrift «500 Jahre Schiesskunst in Wil». Der geschichtliche Rückblick wurde auch der Festschrift beigelegt, die 1995 zum 575-Jahr-Jubiläum der Stadtschützen herausgegeben wurde. Die Stadtschützen Wil tragen diesen Namen übrigens erst seit 1935. Zuvor nannten sie sich ab 1886 Feldschützengesellschaft Wyl.

Die zum Gruppenbild vereinten Stadtschützen Wil, aufgenommen im September 2019.

Chronik wird ergänzt
Zwei Jahre nach Inbetriebnahme der Schiessanlage Thurau ausserhalb des sankt-gallischen Wil auf Thurgauer Boden weihten die Stadtschützen 1970 zum 550-jährigen Bestehen eine neue Fahne. Zum 600-Jahr-Jubiläum wird die Fortsetzung der Vereinschronik publiziert. Finanziert wird dies von Sponsoren. Die weiteren Festivitäten würden aus eigenen Mitteln bestritten, erklärt Robert Signer, der das Organisationskomitee führt und als ehemaliger Präsident (2008 bis 2018) heute Ehrenpräsident der Stadtschützen ist.

Gepflegtes Brauchtum: Am «Steckliträge»- Umzug tragen Schulkinder am Stecken aufgehängte Gaben mit sich.

Hoffnung auf Aufschwung
Die Wiler Stadtschützen pflegen mit dem «Steckliträge» einen alten Ausschiesset-Brauch und blicken mit Stolz auf die bevorstehenden Festivitäten zum Jubiläum. Wie OK-Präsident Signer betont, erhoffen sie sich dadurch eine Aufbesserung des Image der Schützen und einen Aufschwung für den Verein, der rund 200 Mitglieder zählt, wovon rund 150 aktiv sind. National können die Wiler Stadtschützen nach eigener Einschätzung mit der Pistole an der Spitze mitmischen und halten sich mit dem Gewehr 300m in der ersten Kategorie.

www.stadtschuetzen-wil.ch

HISTORISCHER HINTERGRUND

Die Anfänge des organisierten Schiesswesens in der Schweiz liegen in den Städten, die im 14. Jahrhundert ihren Aufschwung erlebten. Angaben zur Vereinigung oder Anerkennung von Schützen finden sich aber bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts nur ganz selten. So ist verzeichnet, dass die Armbrustschützen 1424 in Luzern eine eigene Stube hatten und die Stadt 1426 den ersten Schützenmeister einstellte. Ein Ratsbeschluss von 1429 erwähnte erstmals eine Gesellschaft zu Schützen. Das geben die Luzerner Stadtschützen offiziell als Gründungsjahr an.

Weiter ist bekannt, dass die Stadt Zürich schon 1386 – im Jahr der Schlacht bei Sempach – einen Schützenmeister aus Strassburg berief. Schiessübungen mit Büchsen sind in der Zwinglistadt ab 1441 urkundlich nachweisbar. Die älteste schriftliche Kunde über die Schützengesellschaft ist eine Einladung an die «Schiessgesellen zu Luzern» 1472 zu einem Büchsenschützenfest in Zürich. Ein noch älteres Zeugnis liegt für Klingnau im Aargau vor, wo 1410 erstmals Schützen bezeugt sind. Damals schenkte der Bischof von Konstanz, der ab 1269 die Stadtobrigkeit ausübte, seinen Klingnauer Schützen Büchsen und Pfeile. Diese haben 2010 ihre 600 Jahre mit der Weihe einer neuen Fahne gefeiert.

Absender: Magazin «Schiessen Schweiz»